Vorbereitung auf das Fahren in Sand und tiefem Sand
Ja, da hat sich mein Travelbuddy da oben auf dem Bild schön festgefahren. Am Strand des Lake Tanganyika. Noch nicht einmal auf einer Offroad Strecke. Aber: Offroad fahren in Sand kann es in sich haben. Warum? Schauen wir es uns an …
Wer mit dem Geländewagen nach Namibia reist, wird früher oder später auf tiefen Sand treffen. Damit die Fahrt nicht im Steckenbleiben endet, lohnt sich eine sorgfältige Vorbereitung. Schon vor dem Start solltest du dein Fahrzeug gründlich prüfen. Die Reifen spielen dabei die wichtigste Rolle. Breite Reifen mit gutem Profil helfen, sich nicht zu tief einzugraben. Also, machen wir doch unsere Reifen ein weniger breiter und länger. Entscheidend dabei ist der Reifendruck: Indem du ihn um etwa zwanzig bis fünfzig Prozent reduzierst, vergrößert sich die Aufstandsfläche und das Fahrzeug sinkt weniger ein. In tiefem Sand gehe ich von 2,5 Bar runter auf 1,5 Bar, ggf. noch niedriger. Da gibt es kein Gesetz, man muss es ein wenig austesten. Ein tragbarer Kompressor gehört übrigens unbedingt mit an Bord, damit du nach der Sandpassage wieder auf normalen Straßendruck gehen kannst.
Alternativ kannst Du das auch an der nächsten Tankstelle erledigen. Die liegt selten am Ende des Offroad-Trails, also sind es immer einige Kilometer Schotterpiste oder Teerstraße bis zur nächsten Tanke. Achte auf Deine Geschwindigkeit. Wer zu schnell fährt, riskiert, das der Reifen von der Felge kommt. Was echt blöd ist. Je nachdem in welcher Einheit Du deinen Reifendruck misst, gilt als Faustregel:
Reifendruck in PSI x 3 = maximale Geschwindigkeit. Reifendruck in Bar x 45 = maximale Geschwindigkeit.
Beachte: 1 Bar = 15 PSI. Das macht das Kopfrechnen leichter …
Was gibt`s noch zu wissen über Offroad fahren in Sand?
Auch der Antrieb will überprüft sein. Allradfahrzeuge mit funktionierender Geländeuntersetzung (Low Range) sind für tiefen Sand fast Pflicht. Ohne dies brauchst Du es gar nicht erst probieren. Differenzialsperren können hilfreich sein, insbesondere ein Mitten- oder Hinterachsdifferenzial. Ein Vorderachsdifferential brauchst Du bei Fahrten im Sand so gut wie gar nicht.
Kontrolliere außerdem, ob Unterbodenschutz vorhanden ist, denn unter der sandigen Oberfläche können sich versteckte Steine und Wurzeln verbergen, die Ölwanne oder Achsen beschädigen könnten. Achte auf eine ausgewogene Gewichtsverteilung im Wagen. Schweres Gepäck gehört so tief wie möglich und idealerweise mittig verstaut, damit das Auto stabil bleibt und nicht noch tiefer einsinkt. Unnötiger Ballast sollte zu Hause bleiben.
Unerlässlich ist außerdem die richtige Ausrüstung. Eine robuste Schaufel, Sandbleche oder sogenannte Recovery Boards, ein strapazierfähiger Abschleppgurt und ein funktionierender Wagenheber sind kein Luxus, sondern Sicherheitsgarantie. Auch der Motor braucht Aufmerksamkeit: Verstopfte Kühler oder ein verschmutzter Luftfilter können bei heißem Wüstenwind schnell zu Problemen führen. Empfehlenswert ist ein sogenanntes „Seed Net“ was Deinen Kühler vor Pollen und anderem Kram schützt, falls die Strecke auch noch überwachsen ist. Ein Ersatzluftfilter ist meines Erachtens überbewertet, schau einfach das Du diesen ab und an reinigst. Ausblasen mit einen Luftkompressor ist optimal.
Plane deine Route so, dass du ausreichend Wasser, Treibstoff und Verpflegung mitführst. Im tiefen Sand steigt der Treibstoffverbrauch deutlich, und Pannenhilfe ist in entlegenen Gebieten nicht selbstverständlich. Falls Du stecken bleibst und dein Fahrzeug nicht befreien kannst, behalte die Ruhe. Im worst case campst Du hier und wartest auf Hilfe. Wichtig: Verlasse Dein Fahrzeug nie!!!
Automatik oder Schaltgetriebe im Sand – was sagen Erfahrungswerte und Technik
Ob man mit Automatik oder Schaltung besser durch tiefen Sand kommt, sorgt immer wieder für Diskussionen. Beide Getriebevarianten haben ihre Vorteile, aber auch klare Einschränkungen – entscheidend ist, wie gut man das jeweilige System versteht und nutzt.
Vorteile und Nachteile von Schaltgetriebe
Wer mit einem Schaltgetriebe unterwegs ist, hat den Vorteil, jederzeit selbst den passenden Gang wählen zu können. In sehr weichem Sand ist ein niedriger Gang von Vorteil, um das nötige Drehmoment zu halten. So lässt sich ein gleichmäßiger Vortrieb erzeugen, ohne dass der Motor untertourig läuft. Allerdings erfordert das permanente Kuppeln und Schalten permanente Aufmerksamkeit. Wer zu viel schleifen lässt, riskiert eine überhitzte Kupplung.
Jeder Gangwechsel birgt das Risiko, dass man Schwung verliert – und genau den braucht man im tiefen Sand. Wenn man beim Schalten zu spät reagiert oder zu sanft ist, kann der Wagen an Traktion verlieren und sich eingraben. Zudem erfordert das Fahren mit Schaltgetriebe mehr Übung – das Zusammenspiel von Kupplung, Gas und Gangwechsel präzise zu beherrschen, gerade bei unebenem Gelände und tiefem Sand, ist eine Kunst.
Vorteile und Nachteile von Automatikgetriebe
Automatikgetriebe nehmen dem Fahrer diese Arbeit ab, was besonders für Einsteiger angenehm ist. Moderne Automatikfahrzeuge verfügen oft über Offroad- oder manuelle Modi, mit denen sich die Gänge halten lassen. Das ist entscheidend, denn wenn die Automatik unpassend hochschaltet, verliert das Fahrzeug schnell den Schwung und gräbt sich ein.
Ein weiterer Pluspunkt: Weniger Ermüdung für den Fahrer. Insbesondere bei langen Strecken mit wechselnden Sandverhältnissen kann das ständige Kupplung- und Schaltmanöver ermüden. Die Automatik erlaubt, sich mehr auf Spurwahl, Reifendruck oder Sandüberquerungen zu konzentrieren, ohne sich ständig um den perfekten Gang kümmern zu müssen.
Achte darauf, das Du im sogenannten manuellen Modus fährst, also einen Gang wählst der „gehalten“ wird. Ein Automatikgetriebe will halt automatisch hochschalten, sobald es denkt, der aktuelle Gang sei nicht optimal. Was in tiefem Sand kontraproduktiv ist, da in höheren Gängen oft Drehmoment und Kontrolle fehlen. Wenn das Getriebe „hoch will“, verliert man Schwung, und das Fahrzeug kann ins Schlingern geraten oder stecken bleiben.
Wenn Du lange Strecken im tiefen Sand fährst, leg Pausen ein. Für dich und dein Getriebe. Automatik-Getriebe werden heißer als Schaltgetriebe, da sie mehr Komponenten, die Wärme erzeugen und ableiten müssen, wie Drehmomentwandler, Ölkreisläufe usw. haben. Bei hoher Belastung wie konstantes Durchfahren tiefen Sands wird die Belastung auf diese Systeme größer.
Welche Getriebeart in welchen Situationen sinnvoll ist
Insgesamt ergibt sich, dass ein Schaltgetriebe besonders dann vorteilhaft ist, wenn man schon Erfahrung hat, wenn man viel Technik einsetzen muss (z. B. im Gelände mit wechselndem Untergrund, bei steilen Sanddünen oder in Flussbetten mit tiefem, losem Untergrund). Wer präzise steuern will, z. B. beim Anfahren aus weichem Sand, beim Bergauf- oder Bergabfahren, profitiert von der direkten Verbindung des Motors mit dem Getriebe sowie vom Einsatz der Motorbremse.
Für Einsteiger oder Fahrer, die häufiger weichen Sand befahren, ist eine Automatik oft angenehmer. Sie erlaubt sanftere Übergänge und reduziert das Risiko, durch falsches Schalten zu viel Schwung zu verlieren. Moderne Automatik-Allradfahrzeuge haben oft Modi wie „Sand“, „Offroad“ oder manuelle Modi, die das Hoch-/Runterschalten verbessern oder teilweise sperren, damit das Getriebe in einem günstigen Drehzahlbereich bleibt.
Fahrtechnik für tiefen Sand
Beim Fahren im Sand zählt vor allem das richtige Gespür. Das A und O ist, das Momentum zu bewahren. Einmal ins Rollen gekommen, sollte man möglichst gleichmäßig Gas geben und den Schwung halten. Also, schön den Fuß aufs Gas und drauf lassen. Bremsen ist verboten! Wer abrupt abbremst oder gar stehen bleibt, läuft Gefahr, dass sich die Räder eingraben. Auch das Lenken erfordert Feingefühl. Sanfte, weite Kurven verhindern, dass die Vorderräder seitlich wegbrechen. Übermäßiger Wheelspin, also ein zu starkes Durchdrehen der Räder, schaufelt den Sand nur tiefer weg und lässt das Fahrzeug einsinken. Besser ist es, mit ruhigem Gasfuß zu fahren und auf Traktion zu achten.
Solltest du dennoch feststecken, hilft es oft, zuerst ein Stück rückwärts aus der Spur zu rollen, denn dort ist der Sand bereits etwas verdichtet. Vor dem erneuten Anfahren kann man den Bereich um die Reifen vorsichtig freischaufeln und den Reifendruck noch etwas weiter absenken. Wichtig ist, immer geduldig und methodisch vorzugehen. Hektik verschlimmert die Situation meist.
Strecken in Namibia mit tiefem Sand
Namibia bietet einige der eindrucksvollsten Sandfahrten des südlichen Afrika. Wer diese Routen wählt, sollte auf echte Offroad-Bedingungen vorbereitet sein. Ein Klassiker ist die Fahrt nach Sandwich Harbour südlich von Walvis Bay. Hier trifft die Namib-Wüste direkt auf den Atlantik, und man fährt über riesige Dünen und weiche Strandabschnitte. Aufgrund der Gezeiten und ständig wechselnder Sandverwehungen empfiehlt sich eine geführte Tour, auch für erfahrene Offroader.
Ebenfalls herausfordernd ist der Namib-Naukluft-Park, dessen Pisten von Swakopmund bis in den Süden nach Lüderitz führen. Diese lange Route kombiniert steinige Abschnitte mit tiefem Dünensand und erfordert sorgfältige Planung. Nicht minder bekannt ist die Zufahrt zur Sossusvlei. Die letzten Kilometer ab Sesriem bestehen fast ausschließlich aus weichem Sand, besonders am späten Vormittag, wenn die Sonne den Untergrund auflockert. Viele Fahrzeuge bleiben hier stecken, wenn sie den Reifendruck nicht konsequent senken.
Wer das Küstenabenteuer sucht, kann den Topnaar-Trail Richtung Conception Bay befahren. Diese Strecke führt durch ein Meer aus Küstendünen, wo der Wind immer neue Weichsandfelder formt. Noch wilder wird es in den trockenen Flussbetten des Ugab, des Hoanib oder Hoarusib weiter nördlich im Damaraland oder Kaokoveld. Dort ist der Sand oft tief und unberechenbar, besonders nach langen Trockenperioden, wenn sich feiner Staub mit weichem Untergrund mischt. Alle diese Routen zeigen, wie unterschiedlich Sand in Namibia sein kann – vom salzhaltigen Strand bis zum staubtrockenen Flussbett.
Hier sind fünf Routen in Namibia, bei denen du definitiv tiefem oder zumindest sehr weichem Sand begegnest – ideal für Offroader, die ihre Fahrtechnik testen wollen.
| Route | Start / Ende | Besonderheiten & Herausforderungen |
|---|---|---|
| Sandwich Harbour (4×4 Trails) | Von Walvis Bay Richtung Küste, über Dorob National Park | Riesige Dünen, lose Sandflächen, Strandabschnitte. Führung durch erfahrene Guide empfohlen. Drive South Africa+1 |
| Namib-Naukluft Park Trail (Swakop River → Lüderitz) | Swakop River in Norden bis Lüderitz im Südwesten | Kombination aus Felsen, scharfen Steinen + Strecken mit dickem Sand. Technisch anspruchsvoll. 4×4 Africa+1 |
| Tsauchab 4×4 Route / Strecke zu Sossusvlei | Eingang Sesriem / Tsauchab | Letzte Kilometer vor Deadvlei/Sossusvlei sind tiefsandige Pisten. Viele Spuren, aber harte Spurwahl entscheidet. Free Two Roam+1 |
| Topnaar 4×4 Trail & Conception Bay Route | Bereich südlich des Kuiseb River / Küstenregion | Dünenmeer, weicher Sand, oft windgeprägt, teilweise lose Küstendünen und Strandabschnitte. SA4X4+1 |
| Ugab River / Omaruru River Bed Tracks (nördlich Swakopmund / Damaraland) | Omaruru River Bett & Umgebung, Menhir Route etc. | Fahrten in Flussbetten mit tiefem Sand und wechselnden Untergründen. Besonders herausfordernd bei Trockenheit und Hitze. Travel Namibia+1 |
Fazit
Fahren im tiefen Sand ist kein gewöhnlicher Ausflug, sondern ein Abenteuer, das Erfahrung und gute Vorbereitung erfordert. Wer sich vor der Reise um Reifen, Reifendruck, Ausrüstung und Fahrzeugtechnik kümmert, erspart sich unangenehme Überraschungen. Ob Automatik oder Schaltung ist dabei weniger entscheidend, als zu wissen, wie man das gewählte System optimal nutzt. Wer sich an die Grundregeln hält, das Momentum wahrt und mit Gefühl lenkt, erlebt auf Namibias Sandpisten unvergessliche Momente. Die Weite der Dünen, das Licht der Wüste und die Ruhe abseits aller Straßen belohnen für jede Mühe – und machen das Fahren im tiefen Sand zu einem der intensivsten Reiseerlebnisse im südlichen Afrika.

