Namibia zieht Menschen an, die nicht nur Postkartenmotive sehen wollen, sondern deren Herz bei abgelegenen Trails höher schlägt. Menschen, die das wahre Leben suchen, einen Ort um zu sich zu finden, den Alltag hinter sich zu lassen. Und das Adrenalin wieder zu spüren! Für Selbstfahrer oder Solo‐Reisende bieten Overlander‐Touren die Chance, ganz in die rohe Natur einzutauchen, weit weg von der Hektik der Städte und den üblichen Touristenrouten. Aber das erfordert Vorbereitung, Respekt, Mut – und ein bisschen Abenteuerlust. Overlanding Namibia – nichts was Du im Katalog buchen kannst.
Warum Overlanding Namibia?
Wer unterwegs ist zwischen trockenen Flussbetten, rötlichen Sandflächen und weiten Ebenen, erlebt in Namibia Momente purer Freiheit. Auf diesen Trails sieht man Wüstenelefanten durch den Morgendunst ziehen, Oryxherden am Horizont, und abends liegt der Himmel glasklar über einem – die Milchstraße spannt sich wie ein weißes Band über die schwarze Wüste. Diese Trails erlauben Dir auch Begegnungen mit Menschen und Kulturen, etwa kleinen Gemeinden, die in ihrer Isolation leben. Wer langsam fährt, hält öfter an, staunt, fotografiert, lernt. Fürchtet nicht das Fremde, heißt das Andersartige willkommen. Dann heißen Euch Mama Africa und ihre Kindern willkommen.
Was braucht man – Ausstattung & Vorbereitung
Es ist essenziell, dass Dein Fahrzeug robust ist. Versteht sich. Ein Offroader mit guter Bodenfreiheit macht die Fahrt über lose Schotterpisten, durch Sand oder über Felsen erst möglich. Gute Offroadreifen, eine verbesserte Federung samt Stoßdämpfern, Zusatztank – das sind die Zutaten die ihr hier für ein leckeres Offroad-Potpourri braucht. Keinesfalls überbewertet: Mindestens ein Ersatzreifen, ein Rescue‐Kit mit Seil, Schaufel, Sandblechen, Wagenheber und Werkzeuge, mit denen man Reifen wechseln und kleinere Reparaturen selbst durchführen kann.
Außerdem solltest Du genug Treibstoff mitnehmen. Und ich meine. das Du die Karre so richtig randvoll machst. Beide Tanks! Geh mal von 800-900 Kilometer ohne Tankstelle aus bei einem Verbrauch von 15 Litern auf 100 Kilometer. Rest macht der Taschenrechner.
Die Entfernungen sind groß, Tankstellen liegen viele hundert Kilometer auseinander? Hier oben im Kaokaveld Namibias, in den Weiten der Makagdikagdi Pans und des CKGR in Botswana gibt es keine Tankstellen. Hier und da kann man zu horrenden Priesen schlechten Diesel aus dem Ölfass tanken. Besser als nichts, aber ohne Dieselfilter nicht empfehlenswert. Benzin? Ganz schlecht.
Wasser ist noch wichtiger: Hitze, Sonne, Wind – ein Fahrzeugausfall ohne ausreichende Flüssigkeitsversorgung kann schnell gefährlich werden. Habe mindestens 3-4 Liter Trinkwasser pro Person und Tag dabei.
Navigation darf man nicht unterschätzen sagen die meisten. Viele Reisende setzen auf GPS + Offline‐Karten + traditionelle Papierkarten als Backup. Könnte ja sein dass das GPS mal ausfällt, oder dass die Tracks unklar werden. Okay, Tacheles … in den abgelegenen Gegenden in Namibia, Botswana, Südafrika, Sambia, … you name it, da werden die Tracks nicht unklar. Sie sind es häufig bereits? Vor allem, weil die Piste manchmal einfach weg ist. Vom Regen weggespült. Samt Brücke.
Außer einer guten Offline Navigation wie „Tracks4 Africa“ kann ich eines wärmstens empfehlen: Nutzt den gesunden Menschenverstand! Und hört auf euren Bauch. Sagt der sowas wie „Hmmm, ich weiß nicht …“, dann macht es nicht. Jedesmal, wenn ich nicht auf meinen Bauch gehört habe, war ich in der Scheiße. Ansonsten gilt, wenn die Richtung stimmt ist es egal ob Ihr auf der richtigen Piste seid oder nicht.
Thema Kleidung und Ausrüstung: tagsüber können es 35–40 °C werden; nachts, besonders in trostlosen Wüstenregionen, kann es sehr kalt sein. Du brauchst warme Kleidung für die Nacht, Sonnenschutz, Hut, gute Schuhe, sowas halt. Moskitospray ist Gold wert. Ein kühles Bier auch. Also immer schön schauen, das die Solarpanele auch funktionieren und die Batterien geladen werden. Feuerholz solltet ihr dabei haben, man weiß nie ob man etwas findet. Es sei denn ihr gondelt durch ein trockenes Flussbett, da gibt es Holz im Überfluss.
Doch das allerwichtigste ist Respekt. Habt bitte Respekt und Achtung vor dem Land, den Tieren und den Menschen. Das hier ist der „Wilde Westen“ für euch. Indianerland. Mama Africa heißt jeden Willkommen … und beißt diejenigen in den Arsch, die hier auf „dicke Hose“ machen. Overlanding Namibia ist nicht extrem kompliziert, jedoch immer noch eine Herausforderung.
Übernachten – Wochenendcamp bis Wildcamping
Wenn Du Overlander Trails befährst, hast Du meist zwei Optionen zum Übernachten: offizielle Campsites / Lodges oder Wildcamping. Campsites und Community Camps sind oft mit grundlegenden Einrichtungen ausgestattet: Sanitäreinrichtungen, manchmal Strom, Wasser, meist Schutz vor größeren Tieren. Okay, letzteres eher nicht. Sie kosten ein bißchen Geld, aber bieten gefühlte Sicherheit. Viele Reisende empfehlen, in Gebieten wie Kaokoland oder Damaraland im Voraus zu reservieren, da die Nachfrage steigt. Ich würde einfach losfahren. Da oben gibt es tausende Quadratkilometer Wildcamping Spots vom Allerfeinsten, warum ein Camp buchen?
Wildcamping reizt viele Overlander wegen der Einsamkeit und freien Natur, aber es bringt Verantwortung mit sich. Man sollte unbedingt darauf achten, nicht in trockenen Flussbetten zu zelten, da Sturzfluten jederzeit möglich sind. Haltet Abstand zu Wasserlöchern, blockiert nicht die Pfade der Wildtiere, vermeidet Überschwemmungsflächen. Respekt die Natur und hinterlasst keine Spuren.
Schlagt euer Camp vor Einbruch der Dunkelheit auf. Es ist wichtig die Orientierung zu behalten. Entfacht ein Lagerfeuer – zum Kochen, als Schutz, für Wärme. Und die Romantik natürlich. Nach Sonnenuntergang zu fahren, ist nicht ideal da man Schlaglöcher, Tiere, Menschen oder irgendwelche Hindernisse nicht seht. Manchmal geht es nicht anders und dann hoffe ich mal, das ihr die Festtagsbeleuchtung auf dem Offroader habt: Zusatz-Scheinwerfer, Spotlights, LED Lichtbar, was auch immer. Hauptsache hell!
Ich bin in Sambia mal Nachts 30 Kilometer offroad gefahren. Statt 120 Kilometer drumherum. Abkürzung. Dachten wir. Nach vier Stunden waren wir sehr froh endlich mal die Piste zum Camp zu finden. Aber geiles Abenteuer, hier verlinkt.
Gefahren & worauf man achten muss
Selbst auf schön angelegten „Trails“ drohen Gefahren: tiefer Sand kann ein Fahrzeug festhalten; lose Schotterpisten können Reifen aufreißen; Felsen und große Steine können Schäden am Unterboden verursachen. Immer mit reduzierter Geschwindigkeit unterwegs sein, besonders auf unbekanntem Terrain. aber das wisst ihr ja.
Wildtiere sind reizvoll – aber Vorsicht. Tiere wie Oryx, Springbok, auch Elefanten oder Giraffen, können plötzlich die Piste überqueren. In der Dämmerung und im Morgengrauen ist Aufmerksamkeit Pflicht. Außerdem: Tiere sind keine Attraktionen zum Anfassen. Abstand halten. Ein Elefant mit mieser Laune, der euch im Visier hat ist nicht gut. Gar nicht gut. Der faltet Deine drei Tonnen „Offroad Monster“ zusammen wie Du einen Strohhalm.
Isolation ist ein großes Thema: Handyempfang ist oft nicht vorhanden, Hilfe kann Stunden bis Tage entfernt sein. Deshalb: kommuniziere Deine Route vorher jemandem, lege Notfallpläne und Telefonnummern fest. Ein GPS-Tracker oder sogar ein Satellitentelefon ist durchaus kein Luxus sondern empfehlenswert. Ohne Satellitentelefon und jeden möglichen Notfallkontakt der mir einfällt, fahre ich mit einer Abenteuergruppe ungefähr nirgendwo hin. Und schon gar nicht ins Kaokoveld oder die Namib.
Für Solo‐Reisende & Selbstfahrer: besondere Tipps
Wenn Du allein fährst, ist Vorsicht und Planung doppelt wichtig. Insbesondere am Arsch der Welt. Aber ehrlich, zwei Leute in einem Auto machen es auch nicht besser. Also schau, dass dein Fahrzeug in Topzustand ist, das Du die nötige Bergeausrüstung dabei hast und noch viel wichtiger auch weißt wie man damit umgeht. Und Du solltest wissen, wie man einfache Reparaturen durchführt. Lernt man im Zweifelsfall auf der Reise und manchmal auch so wie ich auf die harte Tour. Viele empfehlen, zumindest in entlegenen Regionen zusammen mit einem zweiten Fahrzeug zu reisen. Ja, macht Sinn. Ich habe das genau einmal gemacht. Und zwar beim „Van Zyl`s Pass“. Vor dem hatte ich dann doch soviel Respekt, das ich mir einen Travelbuddy gesucht habe. Eine Kontaktperson, die über Deine Route Bescheid weiß, sollte man immer haben. Und wenn Du nur auf Facebook postet, wo Du hin fährst und wann Du dich wieder meldest.
Streckenplanung ist essenziell: Wie viele Kilometer schaffst Du in realistischer Zeit, wie viele Pausen brauchst Du, wo kannst Du tanken, schlafen und dich versorgen. Es ist besser, weniger Strecke zu planen, langsamer zu fahren, mehr zu sehen und sicher anzukommen, als gehetzt und erschöpft zu sein. Unterschätze die Distanzen auf gar keinen Fall.
Dokumente und Genehmigungen: Je nach Region und Trail brauchst Du möglicherweise Genehmigungen. Wildschutzgebiete, private Conservancies oder kommunale Gebiete können Zugangsbeschränkungen haben. Mach Dich im Vorfeld schlau. Auch hier helfen Locals, Facebook und die Overlander-Gemeinde weiter.
Fazit
Overlander‐Touren auf abgelegenen Trails in Namibia bieten das große Abenteuer: Stille, Weite, spektakuläre Natur und einmalige Begegnungen. Aber dieses Abenteuer kommt nicht ohne Verantwortung: zuverlässig sein, gut planen, notwendige Ausrüstung dabei haben und die Natur respektieren. Als Selbstfahrer oder Solo‐Reisender gilt: lieber vorsichtig sein, langsamer vorankommen, Aufgaben doppelt absichern und auf Unvorhergesehenes vorbereitet sein. Wer das beachtet, der kehrt mit Geschichten zurück, die mehr wert sind als jede Postkarte.

